Anton Wilhelm Amo Heritage Audio Archive/ Audiowalk
Das Anton Wilhelm Amo Heritage Audio Archive ist ein zweisprachiges, translokales digitales Audioarchiv und ein ortsbasierter Audiowalk zu Anton Wilhelm Amo (ca. 1703–nach 1753), einem Philosophen und Rechtsgelehrten des 18. Jahrhunderts. Das Projekt verbindet Erinnerungsorte in verschiedenen deutschen und europäischen Städten über eine digitale Karte und macht hörbar, wie Amo an unterschiedlichen Orten erforscht, erinnert, angeeignet, diskutiert und öffentlich sichtbar gemacht wurde.
Anders als ein linearer Audioguide folgt das Archiv keiner einzigen biografischen Route. Historische Forschung steht neben Stimmen aus postkolonialen Initiativen, Wissenschaft, Kunst und zivilgesellschaftlicher Erinnerungspraxis. Nutzer:innen können sich über die Karte zwischen Orten, Audios, Texten, Bildern und weiterführenden Quellen bewegen und dadurch unterschiedliche Zugänge zu Amos Biografie und Rezeptionsgeschichte miteinander in Beziehung setzen.
Ausgangspunkt des Projekts ist eine seit 2018/19 entstandene Zusammenarbeit rund um Anton Wilhelm Amo. Das Archiv dokumentiert deshalb nicht nur historische Orte, sondern auch eine jüngere Geschichte zivilgesellschaftlicher Erinnerungsarbeit. Einige der beteiligten Initiativen bestehen heute nicht mehr. Das digitale Archiv bewahrt damit auch Wissen, Stimmen und Verbindungen einer bestimmten erinnerungspolitischen Konstellation.
Das Konzept der Translokalität ist zugleich Inhalt und Vermittlungsmethode: Nicht ein einzelner Ort beansprucht, Amos Geschichte vollständig zu erzählen. Erst durch die Beziehungen zwischen Orten, Archiven, Stimmen und unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionierungen entsteht ein vielstimmiges Bild. Die digitale Karte macht diese verstreuten Wissensbestände zugänglich, ohne sie in eine einzige autoritative Erzählung aufzulösen.
Das Projekt versteht digitale Vermittlung damit nicht als bloße Übertragung vorhandenen Wissens ins Internet. Die digitale Infrastruktur selbst ermöglicht eine andere Form der Geschichtsschreibung: Nutzer:innen können Verbindungen herstellen, Perspektiven vergleichen und nachvollziehen, wie Erinnerung lokal entsteht und zugleich über Orte hinweg zirkuliert.
Das Archiv ist frei zugänglich und auf Deutsch und Englisch verfügbar. Im Herbst 2026 wird die digitale Ebene durch QR-Codes an ausgewählten Erinnerungsorten ergänzt. Besucher:innen können dadurch unmittelbar vom physischen Stadtraum in das translokale Archiv wechseln. Das Projekt bleibt erweiterbar: Weitere Orte, Stimmen und Perspektiven können zukünftig ergänzt werden.
