Panorama & Welterbe inklusiv. Der KI-Smartphone-Guide der Orangerie Salzburg
Im Juni 2026 hat das Salzburg Museum die Orangerie Salzburg im Mirabellgarten eröffnet. Auf 300 Quadratmetern vermitteln Medienstationen, Filme und Installationen das UNESCO-Welterbe Salzburgs und das Panorama von Johann Michael Sattler, fünf Meter hoch und rund 25 Meter im Umfang. Ein großes Anliegen des Hauses war, die Ausstellung auch für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen zugänglich zu machen. Gerade hier ist das anspruchsvoll: Die Vermittlung läuft großteils über Bildschirme, und im Zentrum steht ein Bild, dessen Wirkung im Blick liegt. Aus dieser Aufgabe entstand die Zusammenarbeit mit dem Wiener Start-Up nuseum.ai.
Der gemeinsam entwickelte Smartphone-Guide fragt beim Start nach der Besucherrolle: neben der Standardversion gibt es eine eigene Rolle „Audiodeskription” mit ausführlichen Bildbeschreibungen und Orientierungshinweisen im Raum. Die Web-App ist Screenreader-optimiert, in 20 Sprachen verfügbar und braucht weder Download noch Leihgerät; eine KI-Chatfunktion beantwortet freie Fragen aus einer geschlossenen Wissensbasis des Museums. Der Einstieg erfolgt über taktile Elemente an jeder Medienstation und am Orientierungsplan: rechteckige sind QR-Codes, runde sind NFC-Tags, beides parallel, weil nicht alle NFC kennen oder QR-Codes scannen können.
Entstanden ist der Guide seit Dezember 2025 im laufenden Austausch zwischen Museum, Technologiepartner und den Blindenverbänden Salzburg und Wien: von der gemeinsamen Baustellenbegehung über Screenreader-Tests in Wien bis zur Preview-Führung am Tag vor der Eröffnung. Möglich macht diesen fortlaufenden, iterativen Prozess der Einsatz von KI. Inhalte lassen sich in Tagen statt Monaten ergänzen, neu strukturieren und neu vertonen, technische Anpassungen folgen im selben Takt. So wird der Guide schrittweise auf die Bedürfnisse der Zielgruppe hin optimiert.
Derzeit entsteht auf diesem Weg der nächste Ausbauschritt. Das Panorama umgibt die Besucherinnen ringsum, von der Plattform in der Mitte führt ein Handlauf im Kreis. Ausgehend von der ersten Guide-Version entwickelten die Teilnehmenden vor Ort die Idee, die nur für sehende Besucher:innen am Boden markierten Himmelsrichtungen auch am Handlauf ertastbar zu machen und die Kapitel danach zu ordnen. Der Guide führt blinde Besucherinnen dann am Handlauf um das Panorama: Er sagt an, wohin es weitergeht, beschreibt an jeder Position, was dort abgebildet ist, und macht so die Ausmaße des Bildes körperlich erfahrbar.
Der Guide ist kostenlos und auch vor und nach dem Besuch nutzbar; er ergänzt Gebärdensprachvideos, Texte in Einfacher Sprache und ein taktiles Stadtmodell. Die Version für blinde und sehbeeinträchtigte Besucher*innen wird weiterentwickelt, ein Modus in Einfacher Sprache ist in Vorbereitung, und die Erkenntnisse fließen in weitere Häuser des Salzburg Museums ein, etwa das Sound of Music Museum und die Neue Residenz.
