Das Alte Rathaus als Ort der Demokratie – Eine virtuelle 360°-Tour
Das Alte Rathaus als Ort der Demokratie: Eine virtuelle 360°-Tour
Die Web-basierte Anwendung ermöglicht einen virtuellen 360°-Rundgang durch die historischen Innenräume des Altes Rathauses in der Welterbe-Stadt Regensburg. Bisher war der Zugang nur im Rahmen von Führungen möglich; jetzt kann man sich zu jeder Zeit von jedem Ort aus in die Räumlichkeiten begeben und über ihre historische Bedeutung für die Entwicklung der Demokratie erfahren.
Der erhaltene Baubestand des Alten Rathauses lässt die erste Entwicklung einer kommunalen Selbstverwaltung im Mittelalter nacherleben. 1245 hatte Kaiser Friedrich II. den Bürgern das Recht der Selbstverwaltung verliehen: Die Inhaber des Bürgerrechts wählten fortan einen Bürgermeister. Seit dem 13. Jahrhundert wurde das Gebäude stetig erweitert und modernisiert. Könige und Kaiser luden die Reichsstände und internationale Gäste zum politischen Austausch in diesen zentral gelegenen Tagungsort der Reichstage. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 etablierte sich der Reichstag in Regensburg als dauerhafte Einrichtung. Denn die zu verhandelnden Themen wurden immer komplexer und die Abstimmungsprozesse in den separaten Gremien erforderten Zeit. Der sogenannte Immerwährende Reichstag tagte hier von 1663 bis 1806.
Eine Förderung der Bundesstiftung „Orte der deutschen Demokratiegeschichte“ (https://www.demokratie-geschichte.de) ermöglichte es, die kommunale, staatliche und europäische Demokratiegeschichte im Alten Rathaus von Regensburg in Gestalt eines digitalen Walkthrough durch die historischen Räume zeitgemäß zu präsentieren. In 360-Grad-Aufnahmen eingebettete Videos veranschaulichen die städtische Selbstverwaltung und die Entwicklung der städtischen Verfassung, berichten von der undemokratischen Absetzung des gewählten Oberbürgermeisters 1933 und stellen die von den Kurfürsten, den Fürsten und den Vertretern der Städte bei den Reichstagen in Regensburg genutzten Kollegien und den Plenarsaal vor. In Experteninterviews kommen die Neuzeit-Historikerin und Reichstagsexpertin, Prof. Dr. Harriet Rudolph, der Forscher an den Reichstagsakten Dr. Dietmar Heil, die Bauforscherin Dr. Cornelia Gmeiner und Dr. Thomas Fischl mit seinen Schülerinnen des Von-Müller-Gymnasiums in Regensburg zur Rolle des Jugendbeirats im aktuellen Stadtrat zu Wort.
Die digitale Anwendung ist in Deutsch vertont und mit Untertiteln in Englisch, Französisch und Tschechisch versehen. In die digitale Anwendung ist ein Gewinnspiel integriert. Der Fokus liegt Podcast-gerecht auf verständlicher wissenschaftlicher Geschichtsvermittlung mit unterhaltsamen Elementen. Musik aus den jeweiligen Jahrhunderten unterstützt das akustische Besuchserlebnis. Visuell bietet die Anwendung mit der Drohne erstellte Luftansichten, Detailbetrachtungen ermöglichende Außenansichten und Einblicke in den Reichssaal, das Kurfürstenzimmer, das kurfürstliche Nebenzimmer und das Fürstliche und Reichsstädtische Kollegium.
In einem Seminar an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg wurden die Vermittlungsmöglichkeiten der Darstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse ausgelotet. Das Manuskript und die bildliche Ausstattung erarbeiteten die Museen und das Presseamt der Stadt Regensburg, die Ausschreibung der digitalen Verwirklichung betreute die Informations- und Kommunikationstechnik der Stadt. Die IT-Umsetzung der Webanwendung leisteten die Firmen P.Medien München und 360 Grad Team Hohndorf.
Die Webanwendung ist für PC, Tablet und Smartphone programmiert. Sie richtet sich an Nutzende ab 10 Jahren. Über einen QR-Code oder einen Link auf der Homepage der Museen der Stadt Regensburg (https://www.regensburg.de/museen/die-museen/documente/document-reichstag und https://storage.net-fs.com/hosting/7338714/0/ ) ist die Anwendung aufrufbar.
