Mitreden – Auf den Punkt gebracht!

„Mitreden – Auf den Punkt gebracht!“ ist ein partizipatives Vermittlungsprojekt des Hauses der Geschichte Österreich (hdgö), das Besucher*innen einlädt, ihre persönlichen Perspektiven und Erfahrungen zu gesellschaftlich relevanten Themen einzubringen. Entwickelt wurde das Projekt im Rahmen der Ausstellung „Es funkt! Österreich zwischen Propaganda und Protest“ (31. Jänner 2025 – 11. Jänner 2026). Während der Ausstellung konnten Besucher*innen an einer eigenen digitalen Station zu den fünf Themen Österreich, Klima, Künstliche Intelligenz, Arbeit und Radio selbst Stellung nehmen und zu Wort kommen. So entstand eine vielstimmige Sammlung unterschiedlicher Perspektiven auf aktuelle Themen.

Im Mittelpunkt stand eine bewusst niedrigschwellige Bedienung: An der digitalen Station konnten Besucher*innen sowohl Statements anderer anhören als auch ihre Meinung zu den jeweiligen Themen aufnehmen und somit eigene Botschaften hinterlassen. Die Teilnahme erforderte keine besonderen technischen Vorkenntnisse und machte aus Museumsbesuchenden gleichzeitig aktive Mitwirkende. Damit erweiterte „Mitreden“ die klassische Vermittlung um eine dialogische Ebene: Nicht nur das Museum spricht über gesellschaftliche Themen – das Publikum wird selbst zum Teil der Ausstellung.

Die besondere Stärke des Projekts liegt in der Verbindung von Partizipation, Künstlicher Intelligenz und Barrierefreiheit. Die Beiträge können jederzeit in jeder Sprache eingesprochen werden. Mithilfe einer KI-basierten Spracherkennung werden sie automatisch transkribiert und als Text sowohl in der ursprünglichen Sprache als auch auf Deutsch und Englisch zugänglich gemacht. Die Technologie trägt hier durch die Verbindung digitaler Innovation mit inklusiver Museumsarbeit klar zu Barrierefreiheit und Inklusion bei: Die Hemmschwelle zur Beteiligung ist gering, die eigene Stimme steht im Mittelpunkt, und auch Menschen, die sich in einer Ausstellungssituation weniger leicht äußern, erhalten eine unkomplizierte Möglichkeit, ihre Perspektive einzubringen. Durch die Verschriftlichung werden die Beiträge zudem für Personen zugänglich, die gesprochene Inhalte nicht oder nur eingeschränkt wahrnehmen können.

Eine weitere besondere Qualität des Projekts liegt darin, dass andere Perspektiven nicht nur gelesen, sondern gehört werden. Die menschliche Stimme schafft eine unmittelbare Nähe: Tonfall, Sprechweise und Emotion lassen die Person hinter einer Position präsent werden. Dadurch verändert sich auch die Qualität des digitalen Diskurses. Anders als in vielen sozialen Medien, wo Beiträge häufig auf schnelle Reaktion, Zuspitzung und Gegenrede angelegt sind, lädt „Mitreden“ zunächst zum Zuhören ein. Die Stimmen begegnen einander nicht als abstrakte Meinungen, sondern als persönliche Erfahrungen und Haltungen. So schafft das Projekt einen digitalen Raum, in dem gesellschaftliche Vielfalt nicht nur sichtbar, sondern hörbar und damit unmittelbar erfahrbar wird.

Das Projekt erweiterte somit die historische Auseinandersetzung der Ausstellung um gegenwärtige Stimmen und persönliche Perspektiven. Auch nach dem Ende der Ausstellung besteht weiterhin die Möglichkeit, sich online zu beteiligen, eigene Beiträge einzureichen und sich die anderen Beiträge anzuhören. Das digitale Tool ist damit nicht an den Ausstellungsort oder die begrenzte Besuchszeit der Ausstellung gebunden. Gleichzeitig können durch die flexible technische Struktur jederzeit neue Themen ergänzt und somit aktuelle Fragen behandelt werden. Diese Möglichkeit macht das Projekt zu einem nachhaltigen digitalen Vermittlungsangebot.

Das hdgö versteht Digitalisierung nicht nur als Möglichkeit, bestehende Museumsinhalte online abzubilden. Vielmehr wird digitale Technologie genutzt, um neue Formen des Dialogs zwischen Museum, Besucher*innen und Gesellschaft zu schaffen. Die Stimmen der Besucher*innen werden dabei nicht nur gesammelt und sichtbar, sondern hörbar und unmittelbar erfahrbar gemacht. Das Zuhören schafft Nähe zu den Menschen hinter den Positionen und eröffnet einen digitalen Diskursraum, der auf Begegnung und Auseinandersetzung ausgerichtet ist.

Das Projekt „Mitreden – Auf den Punkt gebracht!“ steht somit für ein Museumsprojekt, das einen Raum schafft, in dem unterschiedliche Perspektiven gehört, ausgetauscht und gemeinsam weitergedacht werden können. Es ist ein neues und innovatives Format, das den gesetzlichen Auftrag des Hauses der Geschichte Österreich, ein „Diskussionsforum“ zu sein, in ein gelebtes Miteinander übersetzt.