Wim around the World
Wim Wenders bezeichnet sich selbst zuerst als Reisenden, dann als Regisseur. Die Medienstation “Wim around the World” nimmt das beim Wort. Besucher*Innen erschließen Wenders’ Werk geografisch, nicht chronologisch: 38 Produktionen aus 57 Jahren, über 100 Drehorte in 23 Ländern auf sechs Kontinenten.
Bedient wird die Station gänzlich ohne Fließtext, ohne Beschriftungen und ohne Menüs – allein über ein Laufband aus Filmplakaten auf einem Touch-Display. Die einzigen Texte sind Ortsnamen. Benutzer*Innen tippen ein Originalfilmplakat an, das sie wiedererkennen oder das sie neugierig macht.
Auf der gegenüberliegenden Großprojektion erscheinen dann erst eine stilisierte Weltkarte mit sämtlichen Drehorten der ausgewählten Produktion und schließlich eine ikonische Filmklammer. Die Filmklammern – im Schnitt 90 Sekunden lang, zusammen 57 Minuten – laufen in Originalfassung, durchgehend deutsch und englisch untertitelt.
Karte und Klammer erlauben eine Doppelperspektive: geografische Ausdehnung und Bildgestaltung werden vergleichbar. Wer mehrere Produktionen nacheinander aufruft, sieht, wie das Werk zwischen Kammerspiel und Weltumrundung oszilliert – und wie Wenders’ Bildsprache alle Orte verbindet.
Die Drehortdaten wurden mit der browserbasierten App geolayers visualisiert. Die Station läuft auf Intuiface, allerdings ohne Standardbausteine: Navigation und Abruf der Klammern sind eigens entwickelt. Nichts an der Medienstation ist generativ: Jeder Ort ist recherchiert, jede Klammer kuratiert.
Wartung und Betrieb können durch die Aufsichten geleistet werden. Sie können vom eigenen Smartphone aus einen Servicelayer in der Station einblenden und diese neu starten sowie die Lautstärken jeder einzelnen Klammer im Raum anpassen. Diese Einstellungen werden zentral gespeichert und überdauern auch den Neustart der Station. Das Möbel ist unterfahrbar und auch im Sitzen bedienbar.
„Wim around the World” steht im Zentrum der Ausstellung „W.I.M. Im Lauf der Zeit” im DFF, Frankfurt am Main. Konzeption, Medienkuration und Umsetzung: Jean-Noël Lenhard, zuvor Medienkurator der Ausstellung “W.I.M. Die Kunst des Sehens” in der Bundeskunsthalle, Bonn.
Die Medienstation ist Anker und Ausgangspunkt zugleich: ein Ort im Ausstellungsraum, an dem über 100 andere Orte versammelt sind. Von hier führt jeder Weg hinaus und wieder zurück. Man kann eine Klammer sehen, ein Original dazu finden, mit verändertem Blick die nächste Produktion aufrufen. Was dabei entsteht, ist mehr als eine Montage aus Filmbildern, Objekten und Texten. Die Besucher*Innen werden im Ausstellungsraum selbst zu Reisenden und Regisseur*Innen.
