Fresken erwachen wieder zum Leben: KI-basierte Rekonstruktion Georg Lührigs „Tag und Nacht“
Wie lassen sich monumentale Kunstwerke vermitteln, die seit Jahrzehnten nicht mehr existieren? Für die Ausstellung „Jugendstil und Symbolismus – Georg Lührig: Ein Meister aus Dresden” rekonstruierte das Museum Wiesbaden zwei zerstörte Fresken aus Georg Lührigs Hauptwerk digital und machte sie erstmals wieder in ihrer ursprünglichen Dimension erlebbar. Die Wandbilder „Der Tag” und „Die Nacht” entstanden für das ehemalige Königliche Kultusministerium in Dresden und gingen infolge der Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs verloren.
Für das Fresko „Der Tag” war der Ausgangspunkt die einzige im Nachlass enthaltene Sepia-Fotografie. Diese wurde zunächst in Graustufen umgewandelt und bildete gemeinsam mit mehreren durch uns digitalisierten Vorzeichnungen sowie Transkriptionen von Notizen und zeitgenössischen Artikeln über das Fresko die Basis für einen mehrstufigen, digitalen Rekonstruktionsprozess: Verschiedene Anwendungen von künstlicher Intelligenz vergrößerten und kolorierten die erhaltene Sepia-Fotografie und näherten das Ergebnis an Georg Lührigs charakteristischen Malstil an.
Zum Fresko „Die Nacht”, das sich im ehemaligen Dresdner Kultusministerium an der gegenüberliegenden Wand befand, lagen hingegen weder historische Gesamtaufnahmen noch farbige Vorzeichnungen vor. Das Wandbild musste also zunächst aus einzelnen Kohle-Skizzen aufwändig montiert werden, bis es anhand zeitgenössischer Beschreibungen der Farbgebung denselben Prozess durchlaufen konnte und ebenso rekonstruiert wurde.
Die erzeugten Ergebnisse wurden fortlaufend anhand der historischen Bild- und Textquellen geprüft und wissenschaftlich qualitätsgesichert. Außerdem führten mehrere Feedback-Schleifen mit Inge Knoblauch, der Sprecherin der Familie und ausgewiesenen Kennerin seines Werks, zu Anpassungen der KI-Modelle und ihrer Arbeitsanweisungen sowie zu weiteren manuellen Farbkorrekturen.
In der Ausstellung werden beide Rekonstruktionen als großformatige Projektionen präsentiert. Die gezeigte Animation zeigt nacheinander die einzelnen Segmente der Fresken und haucht ihnen wieder Farbe ein. Eine begleitende Medienstation führt die Besucher:innen durch die Geschichte der Fresken – von der Ausschreibung des Kultusministeriums 1904 bis zur digitalen Rekonstruktion durch das Museum Wiesbaden im Jahr 2026. Damit wird nicht nur das Ergebnis gezeigt, sondern auch der Weg zur digitalen Rekonstruktion.
