Auf Entdeckung im Archiv: Georg Lührigs Nachlass digital erleben
Unter dem Titel „Auf Entdeckung im Archiv” macht ein interaktiver Medientisch den umfangreichen künstlerischen Nachlass des Dresdner Jugendstilkünstlers Georg Lührig (1868–1957) digital erlebbar. In acht chronologisch aufgebauten Kapiteln führt die Anwendung spielerisch durch Lührigs Karriere und veranschaulicht die große Bandbreite seines Schaffens: Welche Themen beschäftigten ihn zeitlebens, und welche Materialien und Techniken setzte er hierfür ein? Diese Entwicklungen und Zusammenhänge lassen sich am Medientisch unmittelbar nachvollziehen.
Die Arbeit mit Lührigs Nachlass im eigenen Depot hat uns dazu inspiriert, diesen auch für unsere Besucher:innen so realitätsnah und immersiv wie möglich zugänglich zu machen. Foto- und Dokumentenstapel lassen sich durchwühlen, Skizzenbücher und Mappenwerke durchblättern, einzelne Arbeiten herausnehmen, nebeneinanderlegen und miteinander vergleichen. Dadurch werden auch umfangreiche Werkzyklen einsehbar, für die im Ausstellungsraum selbst kein Platz ist. Selbst die im Original bis zu sechs Meter langen Papierbahnen können virtuell ausgerollt und im Detail begutachtet werden.
Somit macht der Medientisch auch unsere museale Sammlungs- und Forschungsarbeit sichtbar: Das Sichten und Vergleichen von Objekten wird hier zum integralen Teil des Ausstellungserlebnisses und eröffnet Einblicke, die bislang allein der Familie des Künstlers und den Mitarbeitenden des Museums vorbehalten waren.
Seinen größten Mehrwert entfaltet der Medientisch dort, wo er selbst in Interaktion mit den ausgestellten Werken tritt. So zeigen wir zu Georg Lührigs Rumänienaufenthalten beispielsweise Fotografien, die als Studien für seine Gemälde dienten und auf denen er Landbevölkerung und Landschaft festhielt. Die entsprechenden Werke werden in unmittelbarer Nähe des Medientischs gezeigt, sodass fotografische Vorlage und künstlerische Umsetzung direkt miteinander verglichen werden können. Wer ganz genau hinschaut, entdeckt vielleicht sogar ein Papierfischchen, das sich in den Digitalisaten versteckt hält: Ein Fingertipp darauf startet ein kleines Geheimspiel, das den nie endenden Kampf gegen die Schädlinge – und für die Konservierung von Kunst – spielerisch aufgreift.
Die Anwendung wurde individuell für den Nachlass Lührigs entwickelt, dabei aber von Beginn an so konzipiert, dass Interaktionsformen wie das Durchwühlen von Stapeln, das Durchblättern von Mappen oder das Ausrollen von Papierbahnen unabhängig vom konkreten Objektbestand funktionieren. Dank dieser modularen Bauweise lässt sich die Anwendung mit neuen Inhalten befüllen und so auch für zukünftige Ausstellungen des Museums Wiesbaden einsetzen.
