be mAI friend aka „AFFEKTATOR 3000“
Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, sich mit einer KI anzufreunden? In einer zunehmend digitalisierten Welt gewinnen künstliche Intelligenzen, die als Freunde, Familienmitglieder oder Haustiere auftreten, an emotionaler und sozialer Bedeutung. Während KI-Chatbots zunehmend auch in Museen als Vermittlungsinstrumente eingesetzt werden, entschied sich das Team Digitales der Stiftung Humboldt Forum, die Mechanismen der Annäherung an virtuelle Begleiter*innen selbst zu thematisieren und technisch wie räumlich zu inszenieren.
Im Rahmen des Programms „Beziehungsweise Familie“ (Oktober 2025-Juli 2026) entwickelte das Team Digitales gemeinsam mit Studio Deussen und dem Digitaldramaturgen Ilja Mirsky den KI-Chatbot AFFEKTATOR 3000.
Der AFFEKTATOR 3000 beschäftigt sich mit den Themen Mensch-Maschine-Beziehung, KI-Freundschaften sowie digitale Nähe und leistet erste Hilfe bei akuter Beziehungslosigkeit – zumindest versucht er es.
Der AFFEKTATOR 3000 begegnet den Besucher*innen als persönlicher Gesprächspartner. Durch den Dialog entsteht eine Beziehung, die sich im Verlauf des Gesprächs entwickelt: Der AFFEKTATOR 3000 reagiert auf Antworten und Fragen, kommentiert Themen und erzeugt so den Eindruck von Empathie. Die Grenze zwischen technischer Anwendung und sozialer Begegnung wird dabei bewusst im Dialog thematisiert. Im Mittelpunkt steht weniger die Frage, ob eine KI tatsächlich empathisch sein oder menschliche Beziehungen ersetzen kann. Vielmehr lädt die Installation dazu ein, die eigenen Erwartungen und Projektionen zu hinterfragen: Was erwarten wir von einem künstlichen Gegenüber? Wann erscheint uns eine Maschine zugewandt oder vertraut? Und welche Rolle spielen unsere eigenen Bedürfnisse, wenn wir eine Beziehung zu einer KI eingehen?
Kern des Experiments stellte dabei die praktische Übung an die dramaturgische Inszenierung des Gesprächs. Diese wurde technisch und physisch umgesetzt. Der Chatbot basierte zunächst auf einem von Studio Deussen entwickelten Framework, das ein iteratives Arbeiten am Dialog ermöglichte. Dazu gehörten unter anderem die Entwicklung unterschiedlicher Personas, die Integration von Regieanweisungen, der Aufbau zeitlich begrenzter Gesprächsabschnitte mit Übergängen, die Einbindung von Wissensdatenbanken (RAGs) sowie die Live-Generierung von Inhalten. Die Grundprinzipien dieses Frameworks wurden später in die Plattform ElevenLabs übertragen.
Das Szenario und die räumliche Inszenierung wurden gemeinsam mit dem Digitaldramaturgen Ilja Mirsky entwickelt. Ausgangspunkt war die Frage: Können technische Mittel den Aufbau menschlicher Beziehungen unterstützen, oder sind es vielmehr Menschen, die Maschinen dabei helfen, Beziehung zu simulieren? Dieser Frage widmeten sich die Besucher*innen in einem eigens gestalteten Setting: In einer kabinenartigen Umgebung nahmen sie auf einer Liege Platz, setzten Kopfhörer auf und begegneten der Stimme des AFFEKTATOR 3000. Die Erfahrung konzentrierte sich vollständig auf den Dialog. Bildschirme und andere technische Interfaces blieben unsichtbar. So entstand ein geschützter Raum für die Reflexion über Nähe, Projektion und Kommunikation. Am Ende blieb eine offene Frage: Wurde hier ein Gespräch mit einer Maschine oder letztlich doch ein Selbstgespräch geführt?
