Crafts of Life – Among the Hunters of East Asia

Crafts of Life – Among the Hunters of East Asia

Crafts of Life ist eine bilinguale digitale Ausstellung (Englisch–Chinesisch), die die ethnografischen Sammlungen der Evenki, Oroqen und Hezhe mit dem Wissen ihrer Herkunftsgemeinschaften verbindet. Sie entstand aus einer internationalen Zusammenarbeit zwischen der Universität Zürich, dem Ethnographic Museum of Hulun Buir sowie Museen, Wissenschaftler:innen, Restaurator:innen und Expert:innen aus den Herkunftsgemeinschaften in China, Europa und Nordamerika. Gemeinsam entwickelten sie eine Form digitaler Vermittlung, die materielles und immaterielles Kulturerbe zusammenführt und weit über die klassische Präsentation von Museumsobjekten hinausgeht.

Ausgangspunkt des Projekts waren gefährdete Sammlungen aus Leder, Fell, Fischhaut und Birkenrinde. Schnell wurde deutlich, dass ihre langfristige Bewahrung nicht allein eine konservatorische Aufgabe ist. Viele Kenntnisse über Materialien, Herstellungstechniken und die Nutzung der Objekte waren nie schriftlich dokumentiert, sondern lebten im Wissen der Herkunftsgemeinschaften. Gemeinsame Objektanalysen, historische Bildquellen, Interviews mit Handwerker:innen, Ältesten und weiteren Wissensträger:innen sowie die Dokumentation traditioneller Techniken machten Objektkontexte sichtbar, die in keiner Museumsdokumentation überliefert waren.

Die digitale Ausstellung führt Sammlungsobjekte in ihre kulturellen, ökologischen und biografischen Zusammenhänge zurück. Jedes Objekt bildet den Ausgangspunkt eines digitalen Wissensraums in Form von immersiven Dioramen, in dem historische Quellen, Filme, Interviews, Forschungsergebnisse und die Perspektiven der beteiligten Gemeinschaften dauerhaft miteinander verbunden werden. Historische Objekte werden dabei mit aktueller Feldforschung, handgezeichneten Illustrationen und originalen Soundscapes aus Nordostchina verknüpft. Gemeinsam eröffnen diese Vermittlungsformen unterschiedliche Zugänge zu den Objekten und ihrem kulturellen Kontext. Die digitale Vermittlung erweitert die museale Sammlung damit nicht um mehr Inhalte, sondern um mehr Kontext.

Das besondere, immersive Erlebnis entsteht durch die räumliche und szenische Dramaturgie. Die immersiven Dioramen übersetzen die Sammlungsobjekte in atmosphärische, digital begehbare Lebenswelten und vermitteln den Eindruck, unmittelbar in die Landschaften und Alltagssituationen Nordostasiens einzutreten. Durch das Zusammenspiel von räumlicher Illustration, Bewegung und originalen Klangaufnahmen entsteht ein sinnliches Erlebnis, das nicht nur Informationen vermittelt, sondern Neugier, Nähe und eigenständiges Entdecken fördert. Statt einer linearen Objektpräsentation bewegen sich die Besucher:innen durch atmosphärisch gestaltete Szenen aus dem alltäglichen und zeremoniellen Leben der drei Gemeinschaften.

Die Szene By the Fire bildet den symbolischen Mittelpunkt der Ausstellung. Ein digitales Lagerfeuer versammelt Beiträge aus Restaurierung, Handwerk und Wissenschaft und übersetzt zugleich eine grundlegende soziale Praxis in den digitalen Raum: das Zusammenkommen, Erzählen und Weitergeben von Wissen. Die Besucher:innen begegnen hier nicht einer anonymen institutionellen Stimme, sondern den Menschen, Methoden und Beziehungen, aus denen das Projekt hervorgegangen ist. Das Lagerfeuer macht den kollaborativen Charakter des Projekts unmittelbar erfahrbar und bietet Museen, Forscher:innen und vergleichbaren Projekten Anregungen für den Austausch von Methoden, Erfahrungen und Fragestellungen im Umgang mit ethnografischen Sammlungen.

Begleitpublikation und digitale Ausstellung sind eng miteinander verzahnt und über QR-Codes unmittelbar verbunden. Die Plattform bleibt dauerhaft zugänglich und wurde von Beginn an als offenes System entwickelt. Mit der Erweiterung um die Bunun-, Tsou- und Yami-(Tao)-Gemeinschaften Taiwans wird dieses Konzept erstmals auf weitere Gemeinschaften übertragen. Perspektivisch können weitere Sammlungen, Wissensbestände und Forschungspartnerschaften in dieselbe Struktur integriert werden.

Crafts of Life versteht digitale Vermittlung nicht als digitale Begleitung einer Ausstellung, sondern als Erweiterung musealer Sammlungen. Das Projekt zeigt, wie Objekte, wissenschaftliche Forschung und die Perspektiven der Herkunftsgemeinschaften dauerhaft miteinander verbunden, unmittelbar erlebbar und global zugänglich gemacht werden können: als Modell für eine kollaborative, internationale und langfristig angelegte digitale Museumsvermittlung.