Franckesche Stiftungen digital: Innovative Lösungen für die Webseite des einzigartigen Bildungskosmos für alle
Die Franckeschen Stiftungen sind ein einzigartiger Kultur- und Bildungskosmos in einem historischen barocken Ensemble, das auf der deutschen Vorschlagliste für das UNESCO-Welterbe steht. Gäste aus aller Welt besuchen hier unter anderem die vollständig erhaltene Kunst- und Naturalienkammer und das historische Kulissenmagazin der Bibliothek.
Doch die Stiftungen sind weit mehr als ein musealer Ort: Auf 14 Hektar mit über 50 Häusern arbeiten rund 40 Partnereinrichtungen zusammen – von der Kita bis zur Universität, von der Familienberatung über Sprachkurse bis zur Spitzenforschung. Rund 4.000 Menschen leben, lernen und arbeiten täglich auf dem Gelände.
Diese außergewöhnliche Vielfalt sollte auch digital sichtbar und zugänglich werden. Familien suchen Veranstaltungen und Betreuungsangebote, Besucher möchten Ausstellungen entdecken und sich vor Ort orientieren, während Forschende auf Publikationen, Sammlungen und wissenschaftliche Rechercheangebote zugreifen. Die technologische Herausforderung bestand darin, diese sehr unterschiedlichen Anforderungen in einer gemeinsamen digitalen Lösung zusammenzuführen, ohne die Eigenständigkeit der Bereiche Kultur, Bildung und Wissenschaft aufzugeben.
Dafür wurde eine skalierbare TYPO3-Multisite-Plattform entwickelt. Die Bereiche Kultur, Bildung und Wissenschaft verfügen über eigene Webauftritte mit jeweils passender Struktur und Ansprache, werden jedoch zentral in einem gemeinsamen System betrieben. So entstehen keine technisch und redaktionell getrennten Insellösungen. Gemeinsame Komponenten können mehrfach genutzt, Inhalte zentral gepflegt und neue Angebote langfristig in die Plattform integriert werden.
Ein wesentlicher Baustein ist die strukturierte Verwaltung der Inhalte. Veranstaltungen, Projekte, Publikationen und Kontakte werden nicht als isolierte Einzelseiten angelegt, sondern als eigenständige, miteinander verknüpfbare Datensätze. Dafür wurden passgenaue Datenmodelle und TYPO3-Extensions entwickelt. Ein Inhalt kann dadurch an mehreren passenden Stellen erscheinen, nach unterschiedlichen Kriterien gefiltert und mit verwandten Angeboten verbunden werden. Das reduziert doppelte Pflege, verbessert die Datenqualität und erleichtert den Redaktionen den Umgang mit einer großen Zahl unterschiedlicher Inhalte.
Damit Nutzer:innen trotz dieser Vielfalt schnell zum passenden Angebot gelangen, wurde eine bereichsübergreifende Suche auf Basis von Apache Solr umgesetzt. Sie führt Inhalte aus unterschiedlichen Datenquellen und Seitentypen in einer gemeinsamen Ergebnisdarstellung zusammen. Suchvorschläge unterstützen bereits während der Eingabe, während Relevanzgewichtung und Filter die Ergebnisse gezielt eingrenzen. So wird aus einer komplexen Informationslandschaft ein verständlicher und niedrigschwelliger Zugang für sehr verschiedene Nutzer:innengruppen.
Die Website ist zugleich mehr als ein klassischer Informationsauftritt. Sie bildet den zentralen Zugang zu einem vernetzten digitalen Vermittlungsangebot. Onlineausstellungen, digitale Sammlungen, wissenschaftliche Recherchewerkzeuge, multimediale Inhalte und das digitale Wegeleitsystem werden kontextbezogen miteinander verbunden. Nutzer:innen können sich vor einem Besuch informieren, Inhalte digital vertiefen und sich anschließend auf dem weitläufigen Gelände orientieren. Digitaler und physischer Besuch werden damit als zusammenhängende Nutzungserfahrung gedacht.
Barrierefreiheit war dabei keine nachträgliche Ergänzung, sondern Bestandteil von Konzeption, Gestaltung und Entwicklung. Klare Informationsstrukturen, gut lesbare Inhalte, ausreichende Kontraste, Tastaturbedienbarkeit und eine semantisch nachvollziehbare Umsetzung verbessern den Zugang auch für Menschen, die assistive Technologien nutzen. Die responsive und mehrsprachige Ausrichtung erweitert die Nutzbarkeit zusätzlich über unterschiedliche Endgeräte, Nutzungssituationen und Herkunftsländer hinweg.
Die technologische Innovation des Projekts liegt daher nicht in einem einzelnen spektakulären Effekt. Sie entsteht durch das präzise Zusammenspiel von Multisite-Architektur, strukturierten Daten, bereichsübergreifender Suche, barrierearmer Gestaltung und digitaler Vermittlung. So wird ein außergewöhnlich komplexer Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftsort digital zugänglich, ohne seine Vielfalt zu vereinfachen.
Die Lösung ist zugleich auf andere Kultur- und Bildungseinrichtungen übertragbar, die zahlreiche Angebote, Zielgruppen und redaktionelle Verantwortlichkeiten unter einem digitalen Dach zusammenführen müssen. Sie zeigt, wie vorhandene und individuell entwickelte Technologien ressourcenschonend kombiniert werden können, um digitale Teilhabe, redaktionelle Effizienz und langfristige Weiterentwicklung miteinander zu verbinden.
