MEMORY DER DINGE
Seit Mai 2026 ist das partizipative Ausstellungsprojekt MEMORY DER DINGE des Museum Lüneburg digital erlebbar. Über 50 persönliche Objekte und ihre Geschichten wurden gesammelt, filmisch festgehalten und zu kurzen Beiträgen verdichtet. Die Geschichten erzählen von individuellen Lebenswegen, Erinnerungen und prägenden Momenten – und eröffnen zugleich neue Perspektiven auf die Stadtgesellschaft in Lüneburg. Vor Ort im Museum können Besucher*innen die Beiträge an einer interaktiven Medienstation entdecken, online steht eine Auswahl der Filme bereit.
Mit dem MEMORY DER DINGE erweitert das Museum Lüneburg seine Perspektive bewusst um die Stimmen der Stadtgesellschaft. Die Sammlung entsteht im direkten Austausch mit den Menschen vor Ort in Lüneburg und die persönlichen Geschichten ergänzen die Sammlung um eine vielstimmige Dimension.
Das Projekt eröffnet so neue Wege für zukünftige Formate – sowohl im digitalen Raum als auch in der partizipativen Museumsarbeit.
An dem partizipativen Ausstellungsprojekt konnten sich alle in Lüneburg lebenden Menschen beteiligen. Gesammelt wurden Gegenstände mit persönlicher Bedeutung – von Erinnerungsstücken über Alltagsobjekte bis hin zu besonderen Fundstücken, von der Flasche mit dem Pfefferminzlikör, der plötzlich die Farbe wechselte, bis zum Spielzeug aus den Nachkriegsjahren, das manche Menschen bis ins hohe Alter begleitet. Zwischen dem kleinsten Objekt –
eine Bergspitze aus Kreta, die vom Sohn eines griechischen Arbeitsmigranten stammt und dem größten Objekt – einer verbeulten Tuba, liegt das Leben.
Die Teilnehmenden waren eingeladen, ihre Objekte ins Museum zu bringen und die dazugehörigen Geschichten zu erzählen. Diese wurden in einem eigens eingerichteten Studio von Projektleiterin und Filmemacherin Antje Hubert per Video oder Audio aufgezeichnet, fotografisch dokumentiert und anschließend wieder an die Besitzer*innen zurückgegeben. Zusätzlich war das Projektteam rund um die Filmemacherin Antje Hubert mit einem mobilen Aufnahmestudio an sechs verschiedenen Orten im Stadtgebiet präsent, darunter in Seniorenheimen und Stadtteilzentren. Insgesamt konnten über 50 Objektgeschichten gesichtet, gefilmt und in zwei- bis fünfminütigen Filmen verdichtet werden.
Das Ergebnis ist ein Kaleidoskop der Stadtgesellschaft: Jede Geschichte ist persönlich: sie beschreiben besondere Momente im Leben eines einzelnen Menschen und werfen zugleich ein Licht auf die Zeitumstände, die diesen Moment begleiteten. Die Erzählungen kreisen um Wendepunkte, Freude und Trauer, um Rituale und Gewohnheiten des Alltags. Es sind Geschichten, die Identität prägen, für wichtige Lebensabschnitte typisch sind oder Einblicke in die Herkunftsregionen der Beteiligten geben.
Sie handeln vom Ankommen in der Fremde, etwa anhand eines Schlüsselanhänger eines Studenten aus Nigeria oder der Abakus einer umgesiedelten Deutschen aus Kasachstan. Sie erzählen vom Kindsein unter schwierigen Bedingungen, wie der Autobagger eines alten Mannes aus einem Seniorenheim oder das Märchenbuch einer Lüneburgerin, die sich in der Frauenarbeit engagiert. Oft sind es die Großeltern, die für Rettung, Geborgenheit und Inspiration sorgten – davon zeugen eine Hutmacherform, Festivalbändchen oder ein Badehandtuch.
Die kurzen Filme können nach Themen sortiert oder einfach nach dem Zufallsprinzip auswählt werden. Sie entfalten eine Sogwirkung, weil sie so direkt und lebensnah erzählt werden und schaffen durch das Fokussieren auf das Objekt dennoch eine Distanz, die eigene Erinnerungen auslöst und die Zuschauenden zum Weitererzählen einlädt.
