True Size of Art / Hallo Franz
Hallo Franz – Franz Marc im Dialog erleben
„Hallo Franz” ist ein KI-gestütztes Vermittlungstool des Franz Marc Museums, das Besuchenden einen neuen, dialogischen Zugang zu Leben, Werk und Denken von Franz Marc eröffnet. Statt einem festgelegten Vermittlungspfad zu folgen, können Besuchende unmittelbar vor den Kunstwerken ihre eigenen Fragen stellen und so ihren individuellen Interessen nachgehen. Das Tool ist seit dem 30. Juli 2026 im Museum kostenfrei nutzbar und auch von zu Hause aus zugänglich.
Die Idee: Dialog statt Informationskonsum
Im Mittelpunkt steht nicht ein klassischer Audioguide oder eine vorgegebene Menüstruktur, sondern die Begegnung und das Gespräch. „Hallo Franz” lädt dazu ein, mit einer einfachen Frage zu beginnen – etwa: Warum malte Franz Marc blaue Pferde? Welche Rolle spielten Tiere in seinem Werk? Oder wie dachte er über Natur, Farbe und Spiritualität? Die Anwendung reagiert auf die individuellen Fragen der Nutzenden und ermöglicht es ihnen, Themen selbst zu vertiefen. So entsteht eine Form der Kunstvermittlung, die niedrigschwellig beginnt und zugleich inhaltlich in die Tiefe führen kann. Die zugrunde liegende Vision: „Ich trete in einen Dialog – nicht ich konsumiere Informationen.”
Eine KI mit kuratierter Wissensbasis
Eine zentrale Besonderheit des Projekts ist die bewusste Verbindung von generativer KI und musealer Wissenshoheit. „Hallo Franz” greift nicht auf frei verfügbares Internetwissen zurück. Die Antworten basieren auf einer eigens für das Projekt zusammengestellten und wissenschaftlich kuratierten Wissensbasis des Franz Marc Museums – darunter geprüfte Museumstexte, Werkinformationen, Fachquellen sowie Originaldokumente Franz Marcs wie Briefe, Schriften und Aufzeichnungen.
Damit stellt sich „Hallo Franz” einer grundlegenden Frage des KI-Einsatzes im Museum: Wie lässt sich die Offenheit und Dialogfähigkeit von KI nutzen, ohne die wissenschaftliche und kuratorische Verantwortung aus der Hand zu geben? Die inhaltliche Verantwortung bleibt beim Museum bzw. den beteiligten Fachleuten. Die Anwendung versteht sich als Ergänzung zur persönlichen Vermittlung, nicht als deren Ersatz.
Franz Marc als Gesprächspartner
Eine besondere Ebene der Anwendung ist die Perspektive: Die KI antwortet in der Rolle von Franz Marc. Dabei werden Aussagen aus Briefen und Schriften paraphrasiert und, wo passend, durch eindeutig gekennzeichnete Originalzitate ergänzt. Wo keine belastbare Äußerung Marcs vorliegt, wird dies transparent gemacht und von nachträglichem Forschungswissen klar getrennt.
Wichtig ist dabei die klare Kennzeichnung: Die Antworten sind keine authentischen Äußerungen Franz Marcs, sofern sie nicht ausdrücklich als Originalzitate ausgewiesen sind. Die Anwendung macht so die Möglichkeiten einer KI-Persona für die Vermittlung nutzbar, ohne die Grenze zwischen historischer Quelle, Interpretation und heutiger Forschung zu verwischen.
Direkt am Werk und ohne zusätzliche Hürden
„Hallo Franz” ist bewusst einfach zugänglich: Besuchende verbinden ihr Smartphone mit dem Besucher-WLAN, scannen einen QR-Code und öffnen die Anwendung direkt im Browser – ohne App-Installation oder Anmeldung.
Neben dem freien Fragen ist auch der Zugang über einzelne Werke möglich: Die Anwendung beantwortet Fragen zu konkreten Gemälden und vertieft so die unmittelbare Betrachtung. Besuchende bleiben dabei bewusst beim Werk – schauen, lesen, hören, fragen, vertiefen – statt einem linearen Guide zu folgen.
Die Anwendung ist auf Deutsch und Englisch verfügbar. Fragen können zudem per Spracheingabe mehrsprachig gestellt werden und werden in der jeweiligen Eingabesprache beantwortet, sowohl schriftlich als auch akustisch.
Museum und Zuhause verbinden
„Hallo Franz” beschränkt sich nicht auf den Museumsbesuch: Die Anwendung ist auch außerhalb des Museums über die Website des Hirmer Verlags nutzbar. So wird die Begegnung mit Franz Marc über den eigentlichen Besuch hinaus verlängert. Museum und digitale Nutzung werden dabei nicht als zwei getrennte Angebote verstanden, sondern als zusammenhängende Zugänge zu den Inhalten.
Ein lernendes Projekt
„Hallo Franz” versteht sich als lernendes Projekt: Rückmeldungen der Nutzenden fließen in die Weiterentwicklung ein, neue Erkenntnisse des Museums zu Franz Marc werden kontinuierlich in die Wissensbasis aufgenommen. Gleichzeitig setzt das Projekt auf Qualitätssicherung und Transparenz – Wissensquellen und Änderungen daran werden dokumentiert, interne Qualitätssicherungsprozesse, Testdatensätze und Nutzerfeedback dienen der laufenden Überprüfung.
Datenschutz und verantwortungsvoller KI-Einsatz
Zu den Themen Verantwortung, Transparenz und Datenschutz liegt ein Whitepaper vor. Die Anwendung erfüllt die Anforderungen der DSGVO und ist konform mit dem EU AI Act.
Projektbeteiligte
„Hallo Franz” ist eine Kooperation des Franz Marc Museums und des Hirmer Verlags im Rahmen des von Hirmer entwickelten KI-basierten Kunstvermittlungstools True Size of Art. Das grafische Konzept stammt von Sofarobotnik, die technische Umsetzung von c.i.t.-professionals.
Mit „Hallo Franz” erprobt das Franz Marc Museum eine neue Form digitaler Kunstvermittlung: Generative KI ersetzt museale Inhalte nicht, sondern macht kuratiertes Wissen individueller, dialogischer und unmittelbarer zugänglich. Die Besuchenden entscheiden selbst, was sie wissen möchten – die KI wird zum Ausgangspunkt für eine persönliche Auseinandersetzung mit Kunst.
